So war unsere Tagung „Die digitale Familie – Traum aller Arbeitgeber?“ am 29. November 2018 in Berlin 

Durch die Digitalisierung kann die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Eltern und Arbeitgeber erleichtert werden. Welche Chancen sich bieten, welche Angebote es schon gibt und was sich alle Beteiligten wünschen – das alles war Thema am 29. November 2018 im SAP DATA SPACE in Berlin.


Veränderungen in der Lebens- und Arbeitswelt brauchen Innovationen 

In der ersten Keynote „Soziale Innovationen als Schlüssel: Was die besten Unternehmen tun (können)“ sprach die Organisationsforscherin Prof. Isabell Welpe (TU München) über die gravierenden Veränderungen in der Arbeitswelt (wie z.B. Urbanisierung, ständige Erreichbarkeit, Gleichberechtigung) und dass die gesellschaftlichen Institutionen (Öffnungszeiten von Dienstleistern, Präsenzkultur, Schulformen) im Gegensatz dazu weitgehend unverändert geblieben sind. Das neue Leben funktioniere nicht nach alten Mustern, und damit werden neue, innovative Lösungen gebraucht. Unternehmen, so fasste Prof. Welpe zusammen, können eine neue, positive Definition von Arbeit erschaffen – wenn sie die Unternehmenskultur ändern und Strukturen aufbauen. 

Doch! Alte Glaubenssätze abgeschafft 

In seinem Vortrag zu MaxFlex@SAP zeigte Cawa Younosi auf, welche Lösungen bei SAP eingeführt wurden, um den Mitarbeitenden eine bessere Vereinbarkeit zu ermöglichen. Konkret stellte er Maßnahmen in den Bereichen Mobilarbeit, Co-Leadership und Führen in Teilzeit, Abschaffung der Teilzeitfalle, Väter@SAP, Mindfulness Flat und Dinner to go vor. In vielen Bereichen ging es darum, dass es einen Wechsel gab von „Die Mitarbeitenden müssen fragen“ hinzu „Es braucht keine Erlaubnis, sondern jeder kann und soll die angebotenen Möglichkeiten nutzen.“ Die Erfolge lassen sich sehen, so hat sich zum Beispiel die Anzahl der Väter, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen, verdoppelt.


Was kann Digitalisierung – was kann sie nicht?

Bei der Podiumsdiskussion, moderiert von Julia Möhn (EMOTION), wurden die unterschiedlichen Möglichkeiten, die die Digitalisierung rund um Vereinbarkeit bietet, thematisiert. Chancen wurden dabei ebenso genannt wie Stolpersteine und Hürden. Kirsten Frohnert (Erfolgsfaktor Familie) sprach über die Themen, die es in Unternehmen dazu gibt, Marc Brost (ZEIT, Autor von „Geht alles gar nicht – warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können.“ ) erläuterte, wo er noch Handlungsbedarf sieht und Anke Willers (ELTERN Magazin) betonte, dass oftmals nur kleine Kinder im Fokus seien, aber auch die Schulzeit durchaus Ressourcen von Elternseite benötigt. Die Väter Rüdiger Dreier (Caritas, Familienberatung) und Johannes Martens (SAP) erzählten aus ihrer eigenen Elternzeit und welche Veränderungen es gerade bei Vätern in ihrem Umfeld gibt. 

Parallel konnte das Publikum über eine Chat Wall Fragen an die Diskussionsrunde stellen, was sehr gut genutzt wurde. Kritisch wurde zum Beispiel gesehen, dass viele Maßnahmen in Richtung „Wegorganisieren“ gehen und angebotene Lösungen teuer sind. Es wurde aber auch gefragt, welche Tipps die Teilnehmenden hatten und welche digitalen Dienste sie nutzen.

Digitale Tools und Menschenfreundlichkeit 

Nach der Mittagspause ging es mit Patricia Cammarata weiter, die über „Welche Tools sind sinnvoll?“ sprach. Die IT-Projektleiterin und Bloggerin (dasnuf.de) stellte einige Tools vor, betonte aber auch, dass sie die direkte Kommunikation, das Miteinanderreden, nicht ersetzen. Im zweiten Teil führte Cammarata aus, wie sich aus ihrer Sicht, Familie und Beruf vereinbaren lassen. Zentraler Punkte war dabei, dass es nicht um Familienfreundlichkeit, sondern um Menschenfreundlichkeit geht. Hier sind aus ihrer Sicht Arbeitgeber, aber auch der einzelne Mitarbeitende gefragt, Vorbild zu sein und passende Angebote zu machen, die die Lebensrealität der Einzelnen im Blick haben.

Die Väter im Blick 

Volker Baisch (Väter gGmbH) betrachtete in seinem Vortrag „Mehr Zeit für Väterlichkeit – Digitalisierung, Homeoffice und Flexibilisierung“ die Rolle der Väter im Kontext der Vereinbarkeit. Aus seiner Sicht ist es für Unternehmen wichtig, die Bedürfnisse von Vätern (und Müttern) ernst zu nehmen und entsprechende Möglichkeiten zu bieten. „Ein wenig flexibel“ reiche nicht mehr aus, denn zwei Drittel der heutigen Väter und Mütter leiden vor allem an Zeitmangel, Stress und ihren eigenen (zu hohen) Ansprüchen. Er unterstrich auch die Verantwortung der Arbeitgeber und Führungskräfte, gute Vorbilder zu sein, wenn es um die Vereinbarkeit geht. Dazu gehören auch Themen wie Elternzeit, flexible Arbeitszeitmodelle und letztlich eine neue, bewusste Unternehmenskultur.

Aktiver Austausch - Ideen, Impulse, Lösungsansätze

Nach so viel Input, wurden nun alle Teilnehmenden gefordert. Sie verteilten sich auch die fünf Meet-Up-Tische, die zu den Themen Co-Leadership in der Praxis, „New Work – Arbeiten mit Kind“, Digitale Tools für Unternehmen und Eltern“, Unterstützung der Unternehmen und Eltern durch die Politik sowie „Woher bekommen Eltern ihr Wissen?“ eingerichtet wurden. An jedem Tisch gab es einen Impulsvortrag der ModeratorInnen und im Anschluss tauschten sich die Teilnehmenden zum jeweiligen Thema aus und erarbeiten Lösungsideen oder Handlungsfelder.

Es gibt so viele Möglichkeiten – wir müssen sie für alle nutzbar machen

In der Abschlussrunde gaben Petra Mackroth, Abteilungleiterin „Familie“ im Bundesfamilienministerium (BMFSFJ) und Cawa Younosi, nochmals einen Einblick, wie viele Bereiche die Digitalisierung im Bereich „Vereinbarkeit“ betrifft – öffentlich, politisch, gesellschaftlich, unternehmerisch, privat. Einig waren sich beide, dass Digitalisierung nicht zur Ausgrenzung führen dürfe – wenn etwa Schulen keine digitale Infrastruktur vorhalten könnten und damit Kinder aus weniger gut ausgestatteten Elternhäusern Nachteile hätten. Letztlich, so fasste Cawa Younosi die Erkenntnisse des Tages zusammen, ginge es immer um Menschlichkeit, die man bei allem Drang zur Optimierung nicht aus dem Blick verlieren dürfte. 

Nach einer lehr- und lernreichen Tagung endete die Veranstaltung mit Gesprächen in lockerer Atmosphäre, musikalisch untermalt vom Miriam Netti Trio. 

Wir freuen uns sehr auf eine Fortsetzung dieser Veranstaltung, die gezeigt hat, wie groß die Bandbreite der Themen ist und dass es hilfreich und zielführend ist, alle Beteiligten zusammen zu bringen und gemeinsam innovative Ansätze zu entwickeln. Ein großes DANKE an unsere Partner von SAP und BMFSJ, die diese Tagung ermöglicht und mitgestaltet haben. Und ebenfalls danke an alle „Digitalen Elternhelfer“, die an diesem Tag so großartig unterstützt haben. 

Beiträge

Das Netzwerk der »Digitalen Elternhelfer« wurde Anfang 2018 von Anna Figoluschka von KidPick und Gaby Patzschke von motherbook® ins Leben gerufen. Es vereint elf Digitalunternehmen, die sich dem Ziel widmen, Eltern den Alltag durch digitale tools zu erleichtern. In ihrem Beitrag wird Anna Figoluschka zusammen mit Vertretern des Netzwerkes aufzeigen, welche Alltagsbereiche von Familien bereits digital sind und wo das Potenzial neuer tools liegt.

SAP hat mit dem MaxFlex Programm verschiedene Arbeitsmodelle eingeführt, um Mitarbeitern maximale Flexibilität bei der Einteilung ihrer Arbeit zu bieten.
Cawa Younosi, HR Head Germany von SAP zeigt in seinem Beitrag, wie SAP in Deutschland Employee Happiness sicherstellt und welche Initiativen die Mitarbeiter entsprechend ihrer Bedürfnisse unterstützen.

Isabell Welpe leitet den Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre – Strategie und Organisation an der Technischen Universität München. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Strategische Führung, Öffentliches Management, Zukunftskonzepte der Arbeit und Organisationen und die Auswirkung von Digitalen Technologien auf Organisationen. In ihrem Beitrag wird sie aufzeigen, welche Konsequenzen die Digitalisierung und der Einsatz digitaler Tools auf Familien und Arbeitgeber hat.

Marc Brost (Jahrgang 1971) ist verheiratet und Vater eines Sohnes. Dieser kam im April 2007 in Berlin auf die Welt; er sagt “Fleischküchle” statt “Bulette” und isst lieber Spätzle als Currywurst, womit seine Eltern – beide gebürtige Schwaben – einen wesentlichen Teil Ihres Erziehungsauftrags bereits erfüllt sehen. Marc Brost leitet das Hauptstadtbüro der Wochenzeitung DIE ZEIT. 2015 schrieb er zusammen mit seinem Kollegen Heinrich Wefing den Bestseller „Geht alles gar nicht - warum wir Kinder, Liebe und Karriere nicht vereinbaren können.“

Julia Möhn ist Managing Editor von EMOTION und Redaktionsleiterin von Working Women und beschäftigt sich mit neuen Konzepten von Arbeit und ob diese zu mehr Chancengerechtigkeit führen. EMOTION ist die monatliche Frauenzeitschrift mit dem höchsten Anteil von arbeitenden Frauen unter den Leserinnen – Fragen wie Life-Work-Blending, Führen in Teilzeit und zweite Karrierewege sind ihr deshalb wichtig und vertraut. Im Verlag Inspiring Network (u.a. EMOTION, Hohe Luft, Psychologie bringt dich weiter) ist sie für das Thema New Work verantwortlich.

Als Mutter eines im Sommer eingeschulten 6-Jährigen interessiert sich die Hamburger Journalistin sehr für die Chancen der Digitalisierung für Familien und Schule und sammelt Argumente für die nächste Elternversammlung. 

Volker Baisch, Geschäftsführer Väter gGmbH, berät als Pionier auf diesem Gebiet seit mehr als zehn Jahren zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Männer. Gemeinsam mit seinem Team sensibilisiert er Fach- und Führungskräfte für das Thema Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben aus Vätersicht und zeigt auf, wie alle Seiten (Männer, Frauen, Kinder und die Unternehmen) profitieren können. Die Väter gGmbH arbeitet seit zwölf Jahren mit vielen Unternehmen, der Politik und Stiftungen an der Vision von einer Welt, in der sich berufliche Verwirklichung und ein erfülltes Familienleben sowohl für Männer als auch für Frauen nicht länger ausschließen. (www.vaeter-ggmbh.de)

Anke Willers ist Textchefin bei der Zeitschrift ELTERN, Verlag Gruner & Jahr, sie hat zwei Töchter, die jetzt 15 und 18 Jahre alt sind. Sie pendelt arbeitsbedingt zwischen München und Hamburg, kennt die Vor-und Nachteile von Homeoffice-Arbeit gut und nutzt dafür selbstverständlich digitale Tools. Dennoch bestätigt sie, was sie in Umfragen mit Eltern immer wieder hört: Wir rasen durch die Rush-Hour des Lebens und haben das Gefühl, nichts richtig zu machen. Nicht umsonst fordern immer mehr Politiker wie zum Beispiel Frau Schwesig "atmende Lebensläufe“
Ihr Lieblingssatz des Jahres war der von Iris Radisch, Feministin und Literaturkritikerin : »Die angepriesene Vereinbarkeit ist eine Schimäre – es gibt nichts zu vereinbaren, es gibt nur was zu addieren.«

Johannes Martens (Jahrgang 1978) arbeitet als Account Manager bei SAP Deutschland. Er ist verheiratet und Vater dreier Kinder (7, 4 und 2 Jahre alt). Bei den beiden älteren Töchtern nahm er je 2 Monate Elternzeit, bei seinem Jüngsten 12 Monate. Johannes Martens glaubt fest an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Voraussetzung hierfür sei aber ein aufgeschlossener Arbeitgeber, persönliche Gelassenheit und die Verabschiedung vom Perfektionismus.

Kirsten Frohnert ist die Projektleiterin des Unternehmensnetzwerks „Erfolgsfaktor Familie“

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für Kirsten Frohnert ein zentrales personal-strategisches Handlungsfeld, wenn man als Arbeitgeber auch in Zukunft Fachkräfte finden und binden möchte! 

Die Digitalisierung bietet zahlreiche neue Chancen, Beruf und Familie zu vereinbaren. Beispiele dafür sind der Wegfall von Wege-zeiten durch das Arbeitsort und Arbeitszeit unabhängige Arbeiten, Schichttauschbörsen in der Produktion oder digitale Dokumentationstools in der Pflege für mehr Zeitsouveränität. Technische Tools eröffnen viele Optionen. Wie wir diese Gestaltungsspielräume verantwor-tungsvoll und nachhaltig für eine gute Vereinbarkeit ausgestalten, ist dabei die zentrale Frage.“ 

Rüdiger Dreier ist Erziehungsberater im Caritasverband Münster und dort auch Teil der Stabsstelle Digitalisierung. Der Diplom-Sozialpädagoge mit Zusatzausbildungen in systemischer Familientherapie und Mediation arbeitet seit 18 Jahren mit Vätern und Pflegevätern zusammen – und auch als Väterberater für Unternehmen und in der Online-Beratung von ElternLeben.de. Die Themen Vereinbarkeit und Digitalisierung spielen auch im Privatleben von Rüdiger Dreier eine große Rolle. Er nahm für beide seiner Töchter (*2013 und *2016) jeweils 18 Monate Elternzeit und arbeitet seit seinem Wiedereinstieg in Teilzeit. So konnte seine Frau nach der Geburt schneller wieder Vollzeit in ihren Job einsteigen.
Der Herzblut Papa ist der festen Überzeugung, dass Väter alles können, außer Stillen. Zwar nicht sofort, aber Rom wurde ja auch nicht an einem Tag erbaut. In seinem privaten Blog mannpluskind.de berichtet er von seinen Eindrücken und Erfahrungen als Vater. 

Patricia Cammarata ist Autorin, Bloggerin und Podcasterin und arbeitet in der Geschäftsentwicklung eines großen Konzernunternehmens. Seit 2004 schreibt sie unter dasnuf.de ins Internet und das so erfolgreich, dass sie bereits mehrere Preise gewonnen hat. Ihre Themenschwerpunkte sind Kinder und digitale Medien, Privatheit im Netz sowie Gleichberechtigung

Abschlussredner

Caren Marks

Bundestagsabgeordnete und parlamentarische Staatssekretärin im BMFSFJ. Sie unterstützt in dieser Legislaturperiode die Bundesministerin Frau Franziska Giffey bei der Regierungsarbeit.


Stefan Ries

Chief Human Resources Officer (CHRO) und Arbeitsdirektor, ist weltweit für das Personalwesen der SAP SE verantwortlich und seit April 2016 Mitglied des Vorstands der SAP SE.